Westküste

Veröffentlicht am 24. Jänner 2026 um 16:43

Unser neues Zuhause rollt, 1000 Kilometer Richtung Norden

22.12-28.12.2025 Wo die Straße beginnt, beginnt unser Zuhause

Unser letzter Tag ist angebrochen. Sydney liegt hinter uns, vor uns wartet Perth und dort ein Traum, auf den wir lange hingefiebert haben: unser Camper. Vier Wochen Freiheit, vier Wochen unterwegs, vier Wochen ein Zuhause auf vier Rädern.

Schon die Fahrt mit dem Uber fühlte sich wie der Beginn eines Abenteuers an. Wir hielten mitten in einem Industriegebiet an, und selbst der Fahrer schaute uns mehrfach fragend an, ob wir hier wirklich richtig seien. Erst hinter einem unscheinbaren Gebäude, in einer großen Lagerhalle, entdeckten wir ihn: unser fahrendes Zuhause. Unser Hotel, unsere Küche, unser Rückzugsort. Die Einführung dauerte gut eine Stunde, doch ehrlich gesagt konnten wir uns kaum etwas merken wir wollten einfach nur los.

Der erste Stopp führte uns in einen Supermarkt. Regale füllen, Kühlschrank füllen, Camper füllen und plötzlich fühlte es sich echt an. Dann ging es los Richtung Jurien Bay. Unterwegs hielten wir an einer wunderschönen Lagune, ein Moment zum Durchatmen, bevor die lange Fahrt weiterging. Am Abend steuerten wir einen Campground an, den ich über eine App gefunden hatte. Der Weg dorthin war okay, doch wir kamen im Dunkeln an auf einem großen, leeren Platz. Still, dunkel, unheimlich. Uns war beiden nicht wohl. Also entschieden wir uns weiterzufahren, dorthin, wo andere Camper standen.

Was dann folgte, war nervenaufreibend. Google Maps zeigte eine „bessere“ Straße doch diese entpuppte sich als völlig überwucherter Weg, schmal, holprig und offensichtlich seit Ewigkeiten nicht mehr befahren. Jeder Meter fühlte sich falsch an. Umso größer war die Erleichterung, als wir endlich wieder Asphalt unter den Reifen hatten und zurück in der Zivilisation waren. Unser Camper hatte es überstanden und wir auch.

 

Als wir schließlich auf dem Campingplatz ankamen, waren wir einfach nur noch müde. Dach hoch, Bett raus zumindest war das der Plan. Natürlich vergaßen wir zuerst die Sicherungshaken. Zum Glück merkten wir es noch rechtzeitig. Wenige Minuten später lagen wir endlich im Bett. Erschöpft, aber glücklich.

Die nächsten Tage bestanden aus endlosen Straßen, staubigen Landschaften und dem stetigen Ziel vor Augen: Exmouth, ganz im Norden. Über 1.000 Kilometer lagen vor uns. Unterwegs dann der nächste kleine Schock eine Tankstelle, geschlossen. Seit drei Tagen, wie ein handgeschriebener Zettel verriet aufgrund von Weihnachten. Mit etwa 120 Kilometern Restreichweite fuhren wir weiter, langsamer als sonst, jeder Kilometer bewusst. Hier ist eine Tankstelle keine Selbstverständlichkeit, manchmal liegen 200 bis 300 Kilometer dazwischen.

Weihnachten verbrachten wir am Strand. Palmen, Sand, Meer und doch fühlte es sich ganz anders an als zu Hause. Keine Weihnachtsmusik, keine Lichter, keine Kälte. Trotzdem war es schön. Ruhig. Besonders.

Wir lebten uns immer mehr in das Campingabenteuer ein. Ein Leben, dass uns unglaublich gut tut. Viele unserer Campingplätze lagen weit abseits der Hauptstraße, oft über eine Stunde ins Nirgendwo. Tagelang kein Handyempfang. Kein Lärm. Kein Druck. Nur wir, die Natur und die Zeit.

Manchmal zwang uns die Natur weiterzuziehen. An einem Strand war der Wind so stark, dass wir nur eine Nacht blieben. Aber genau das lieben wir am Camper: Wenn es sich nicht richtig anfühlt, fährt man einfach weiter.

Was uns allerdings regelmäßig an unsere Grenzen bringt, sind die Fliegen. Sie scheinen ein persönliches Interesse an Augen, Mund und Ohren zu haben. Zum Glück fanden wir an einer Tankstelle ein Fliegennetz für den Kopf modisch fragwürdig, aber lebensrettend. Leider wurden sie in Exmouth nicht weniger. Angekommen in Exmouth verbrachten wir die erste Nacht auf einem RAC Camping Platz und gönnten uns noch eine Abkühlung im Pool. Bevor wir uns dann an das Abendessen machten und an die Planung der nächsten Tage.

Das waren ein paar Eindrücke unserer ersten Woche im Camper. So viel ist schon passiert und doch fühlt es sich an, als hätten wir gerade erst angefangen. Seid gespannt, wo wir Silvester verbringen und welche Geschichten unser kleines Zuhause auf Rädern noch für uns bereithält.

 

 

29.12 – 04.01.2026 Schildkröten gesucht, Empfang verloren

Es war Zeit, den nördlichsten Punkt unserer Australienreise zu erkunden. Los ging’s mit einem Ausflug zum Leuchtturm, danach fuhren wir direkt weiter zu unserem ersten Strand. Dieser ist bekannt dafür, dass hier Meeresschildkröten an Land kommen, um ihre Eier im Sand zu verbuddeln also Augen auf.

Wir hielten Ausschau nach Schildkröten und mussten im Wasser nicht lange suchen, bis wir tatsächlich ein paar entdeckten. Leider meinten es Wellen und Wind an diesem Tag etwas zu gut mit uns. Aber egal wir waren uns einig: Wir kommen definitiv nochmal zurück, denn Schildkröten lassen wir uns nicht entgehen.

Danach ging es weiter Richtung Visitor Center, wo wir für die Nacht einen Platz auf dem Campground buchten. Im Outback ist Handyempfang ja eher ein Glücksspiel manchmal hat man Glück, meistens nicht. 😅 Bevor es endgültig zum Campground ging, schauten wir uns noch ein paar weitere Strände an.

Turquoise Bay & große Hai-Wünsche

Am nächsten Tag stand eines der absoluten Highlights an: Turquoise Bay, gefolgt von den Oyster Stacks.

Wir waren am Vortag schon kurz an der Turquoise Bay, aber die Strömung war extrem stark und es war bereits später Nachmittag. Trotzdem hatte ich bei diesem kurzen Schnorchelausflug meinen ersten Riffhai gesehen die Vorfreude war also riesig.

Und siehe da: Das Wetter meinte es diesmal besser mit uns, die Strömung war deutlich ruhiger. Ich konnte sogar Nicole überzeugen, mit ins Wasser zu kommen. Bevor wir reingingen, fragte ich sie noch, was sie denn gerne sehen würde. Ihre Antwort: „Haie.“ Keine 10 Minuten später schwamm uns tatsächlich ein schöner Schwarzspitzen-Riffhai entgegen. Wunsch erfüllt

Durch die Strömung mussten wir immer wieder aus dem Wasser raus, ein Stück am Strand zurücklaufen und dann erneut reinschnorcheln kostenloses Fitnessprogramm inklusive.

Beim zweiten Schnorcheldurchgang kam dann eines unserer absoluten Highlights: ein Bambushai. Ein magischer Moment, wie dieser friedlich an uns vorbeischwamm. Als wäre das nicht genug, sahen wir außerdem Schildkröten, Seesterne und unzählige Fische.

Beim dritten Durchgang gesellte sich sogar noch ein Rochen dazu. Checkliste komplett ✔️

Oyster Stacks – schön, aber anstrengend

Zeit für die Oyster Stacks. Hier darf man nur bei Flut schnorcheln, damit die Korallen geschützt bleiben. Wir rechneten mit stärkerer Strömung und liefen daher etwas weiter den Strand hinunter. Im Wasser merkten wir dann: kaum Strömung, aber dafür ordentlich anstrengend, vorwärtszukommen.

Fazit:

Mehr Korallen als zuvor, aber weniger Vielfalt an Meerestieren. Abgesehen von riesigen Seegurken und ein paar Fischen hielt sich die Ausbeute in Grenzen trotzdem sehenswert.

Am Abend machten wir uns noch einmal auf den Weg zurück zur Bucht mit den Schildkröten – und bereuten keine Minute der längeren Anfahrt. Schon von weitem konnten wir sehen, wie zahlreiche Schildkröten aus dem Wasser an Land kamen.

Wir setzten uns leise in den Sand und beobachteten fasziniert, wie eine Schildkröte begann, ihr Nest zu graben. Ganz ruhig, ganz in ihrem Tempo. Es war ein unglaublich besonderer Moment und definitiv eines der vielen Highlights dieses Tages.

Delfine, Silvester & Outback-Feeling

Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich mit Schnorcheln und Chillen genau das, was wir nach der ganzen Reiserei gebraucht hatten.

Für Silvester entschieden wir uns für die Monkey Mia Bay, wo jeden Morgen Delfine vorbeischauen. Klingt doch nach einem perfekten Start ins neue Jahr, oder?

Gesagt, getan: Am 31.12. ging es wieder Richtung Süden, mit einem dreitägigen Stopp in Monkey Mia. Die Delfine enttäuschten uns nicht und begrüßten uns direkt am ersten Tag des neuen Jahres am Strand besser geht’s kaum.

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege kurz: Ich ging auf einen Tauchtrip, Nicole verbrachte den Tag mit Delfinen und einem Buch (klingt auch ziemlich perfekt).

Abends gönnten wir uns noch eine Sunset-Katamaranfahrt, bevor es am nächsten Tag weiterging.

Kalbarri, Pinnacles & Parkplatz-Romantik

Nächstes Ziel: Kalbarri Nationalpark. Unterwegs machten wir Halt am Shell Beach, der wie der Name schon sagt komplett aus Muscheln besteht. Laut Instagram sollten es riesige Muscheln sein… wir fanden eher kleine. Trotzdem ein wunderschöner Stopp.